Presseinformation


Ministerpräsident Rüttgers besucht Forstbetrieb


Erstmals nach dem Orkan „Kyrill“ am 18. Januar 2007 hat sich auch Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers vor Ort über die Lage der Forstwirtschaft informiert. Auf dem Jungferngut in Garbeck/Märkischer Kreis wurde der Ministerpräsident von Landrat Aloys Steppuhn und Waldbesitzer Bernward Lösse begrüßt. Bei der anschließenden Waldführung bot sich den Besuchern ein Bild der Verwüstung.

Der Forstbetrieb Lösse in Garbeck umfasst eine Waldfläche von 293 Hektar. Jedes Jahr liefert er eine Menge von 1.500 bis 1.800 Festmeter Rundholz an heimische Sägewerke. Überdies bietet der Forstbetrieb eine Vielzahl besonderer Leistungen, von der Waldführung über den Weihnachtsbaum bis zur geschnitzten Holzfigur. Mit einem Sturmholzanfall von 60.000 Festmetern ist dieser Forstbetrieb existentiell betroffen. Ungefähr 200 Hektar Waldfläche wurden vom Orkan geworfen. Dabei wurden neben der Hauptbaumart Fichte alle anderen Baumarten betroffen. Sämtliche Altbestände über 40 Jahre sind vernichtet. Horstweise sind auch jüngere Bestände betroffen. Nach Aufarbeitung des Windwurfholzes wird dieser Forstbetrieb über weit mehr als eine Menschengeneration keine nennenswerten Einkünfte aus dem Verkauf von Rundholz erzielen. Wesentlich längere Zeit wird es benötigen, bis auf den Forstbetriebsflächen wieder ausgewachsene Bäume stehen.

Probleme der Aufarbeitung und Vermarktung der riesigen Holzmassen standen im Mittelpunkt der Diskussionen mit dem Ministerpräsidenten und Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg. Dabei kritisierten Waldbesitzer die aus ihrer Sicht schleppende Hilfe durch das Land. „Wir brauchen Verträge“, war die einhellige Forderung.  Überdies wurde das Fehlen von Aufarbeitungs-, Abfuhr- und vor allem von Nasslagerkapazitäten beklagt. Insbesondere die Einrichtung von Nasslagerplätzen als „Pufferspeicher“ für die dauerhafte Belieferung der Holzwirtschaft wird von der Sägeindustrie wie auch vom Waldbauernverband vehement gefordert. Minister Uhlenberg berichtete über den gerade abgeschlossenen Holzverkaufsvertrag mit der Klausner-Gruppe, der eine Liefermenge von 2,7 Mio. Festmeter umfasst.

Auf die gewaltige Dimension der Sturmfolgeschäden wies Waldbauernvorsitzender Dietrich Graf von Nesselrode hin. Hier seien die bisher bereit gestellten Mittel nur der sprichwörtliche „Tropfen auf den heißen Stein“.  Mit einer Fläche von 50.000 Hektar seien immerhin 5,5 % der Waldfläche von Nordrhein-Westfalen verwüstet. Selbst unter Einbeziehung aller Möglichkeiten der Naturverjüngung werde allein die Wiederaufforstung dieser Fläche weit über 100 Mio. Euro kosten. Hinzu komme eine über viele Jahre andauernde Pflege der neu geschaffenen Kulturen und vor allem die dann dringend notwendige Instandsetzung der Waldwege. Dies aber sei von den betroffenen Forstbetrieben, die jetzt jeden Cent benötigen, schlichtweg nicht zu leisten. „Hier ist ein ganz groß angelegtes Hilfsprogramm des Landes erforderlich“, erklärte Graf Nesselrode. „Die Waldbesitzer liefern ständig und unbezahlt vielfältige Leistungen für die Gesellschaft: Erholung, saubere Luft und gutes Trinkwasser. Jetzt muss das Land zeigen, was diese Leistungen wert sind!“

Waldbauernverband Nordrhein-Westfalen e.V.